
Russland könnte in Versuchung geraten, den Krieg auf unserem Kontinent fortzusetzen“, sagte der französische Generalstabschef Fabien Mandon am 22. Oktober 2025.
„Wir haben alles, was wir brauchen, um Moskau abzuschrecken. Was uns fehlt, ist die mentale Stärke, den Schmerz der Landesverteidigung zu ertragen … Wir müssen den Verlust unserer Kinder und wirtschaftliche Einbußen in Kauf nehmen. Wenn wir dazu nicht bereit sind, sind wir in Gefahr. Wir müssen darüber in unseren Gemeinden diskutieren.“
Diese Andeutung des französischen Generalstabschefs Fabien Mandon auf eine Generalmobilmachung der jüngeren Generationen zur Landesverteidigung im Kriegsfall erfolgte am 19. November vor dem Kongress der französischen Bürgermeister. General Mandon war am 1. September zum Chef der französischen Streitkräfte ernannt worden. Es wirkte wie eine Antrittsrede.
„ Der Verlust unserer Kinder…“ Diese Worte hätten „schockiert“, beklagte der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, der am folgenden Tag als Erster vom Fernsehsender „C News“ interviewt wurde. Seiner Meinung nach „hätte das Land nicht so beunruhigt werden müssen“. Doch der General machte seine Absichten deutlich: „Russland bereitet sich auf eine Konfrontation mit unseren Ländern bis 2030 vor. Wenn unsere Länder schwächeln und wir nicht vorbereitet sind, sind wir in Gefahr.“
Der General hatte wenige Tage zuvor vor dem Verteidigungsausschuss des Senats, dem mit dem deutschen Bundesrat vergleichbaren Oberhaus des französischen Parlaments, eine Warnung ausgesprochen. Der Senat gilt als ausgewogener und rationaler als die Nationalversammlung, das französische Pendant zum Bundestag, die seit ihrer unsinnigen Auflösung durch Präsident Macron am Sonntag, dem 21. Juni 2024, dem Abend seiner Niederlage bei den Europawahlen, zersplittert und uneins ist.
Vor dem Senat empfahl General Mandon, Putins Drohungen ernster zu nehmen. Sie zeugten von einer außergewöhnlichen Rhetorik und Aggressivität, sagte er und verwies auf Putins neue Waffen, die dieser als „unzerstörbar“ bezeichnete (siehe unten).
Besorgniserregend, aber eindeutig
Die Botschaft des französischen Generalstabschef Generals war besorgniserregend, aber eindeutig. Die französische Armee müsse „in drei oder vier Jahren auf einen Schock vorbereitet sein“, sagte er den Senatoren. Da Russland „möglicherweise versucht sein könnte, den Krieg auf unserem Kontinent über die Ukraine hinaus fortzusetzen“, betonte der General , die unsere vorgeschobene Festung in Osteuropa bleibt. Daher müsse man Moskau im Blick behalten.
„Wenn Russland den Eindruck hat, dass wir nicht bereit sind, uns zu verteidigen, sehe ich nicht, was es aufhalten könnte“, sagte er vor dem Senat. „Wenn unsere potenziellen Gegner dagegen erkennen, dass wir uns um unsere Verteidigung bemühen und entschlossen sind, dann könnte Putin nachgeben. Wenn er den Eindruck hat, dass wir nicht bereit sind, uns zu verteidigen, sehe ich dagegen nicht, was ihn aufhalten könnte“, führte er weiter aus.
Seine Analyse deckt sich mit derjenigen der deutschen Geheimdienste. Der BND hatte bereits in der Vorwoche vor Russlands Bereitschaft gewarnt, „in einen direkten militärischen Konflikt mit der NATO einzutreten“ – eine Bedrohung, die nach Ansicht der Deutschen Dienste noch vor 2029 Realität werden könnte. Dies ist auch der Zeitraum, den andere Experten, darunter französische, in Betracht ziehen: nicht vier, sondern zwei oder drei Jahre bis zu einem russischen Angriff.
„Aber wir verfügen über eine nukleare Abschreckung, die uns schützt“, entgegnet Estrosi, „die von General de Gaulle zu einer Zeit geschaffen wurde, als die Gefahr eines Krieges mit Russland sehr real war.“ Das französische Atomwaffenarsenal ist ständig in Alarmbereitschaft – zu Wasser, zu Land und in der Luft.
Es ist, anders als die britische Atombombe, unabhängig von Washington. Wir müssen tatsächlich eine Situation in Betracht ziehen, in der die Vereinigten Staaten uns diesmal nicht zu Hilfe kommen können. Die französische Nuklearstreitmacht könnte unmittelbar nach einem Raketenstart des Kremls einen Gegenschlag ausführen. Das Französische Territorium ist geschützt. Aber Frankreichs Atomwaffen würden auch die EU verteidigen, selbst wenn dies nicht explizit erwähnt wird. Die Strategie der Nuklearabschreckung erfordert, dass der Gegner im Unklaren bleibt.
Welchen Sinn hätte infolgedessen Putins (oder das seiner Nachfolger) riesiges Atomwaffenarsenal, wenn Russlands wichtigste Militärstützpunkte und Städte als Vergeltung für einen russischen Angriff sofort zerstört würden? Ist sein Generalstab bereit, dieses Risiko einzugehen? Die russische Bevölkerung sicherlich nicht. Aber sie ist der Propaganda verfallen. Ungeachtet dessen trifft Putin selbst die Entscheidung, auf den roten Knopf zu drücken, aber nicht allein.
Einigkeit in Sachen Aufrüstung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Estrosi im Gespräch mit der Journalistin Sonia Mabrouk mit einer Ausnahme die Aussagen des Generals bekräftigte: „Es bestünde ein reales Risiko, wenn wir schwach wären“, sagte er, aber „gemeinsam mit unseren europäischen Partnern müssen wir bis 2030 ausreichend gerüstet sein.“ Die Lage ist in der Tat ernst, aber nicht hoffnungslos.
General Mandons Hauptziel ist es allerdings, die Aufrüstungsbemühungen seines Landes zu rechtfertigen. In seiner zweiten Erklärung wenige Tage später vor den Bürgermeistern versuchte er vor allem, die Anwesenden auf eine moralische Verpflichtung vorzubereiten, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem in Frankreich, Deutschland und anderswo in EU- und NATO-Staaten die schrittweise Wiedereinführung des Wehrdienstes vorbereitet wird.
„Mein erstes Ziel für die Streitkräfte“, erklärte der General, „ist es, in drei oder vier Jahren auf einen Schock vorbereitet zu sein, der eine Art Test seitens Russlands wird – vielleicht existiert dieser Test bereits in hybriden Formen –, aber vielleicht wird er noch gewaltsamer ausfallen.“ Dieses Russland , teilte er dem Senat mit. „ist ein Land, das versucht sein könnte, den Krieg auf unserem Kontinent fortzusetzen, und das ist der entscheidende Faktor für meine Vorbereitungen.“ Moskau habe die „Wahrnehmung eines kollektiv schwachen Europas“, so Mandon, der auf russischer Seite eine „neue Hemmungslosigkeit im Umgang mit Gewalt“ beobachte. Die jüngsten russischen Bombenangriffe in der Ukraine verfolgen im Wesentlichen zwei Ziele: die Zahl der zivilen Opfer in bewohnten Gebäuden auf ukrainischem Gebiet zu erhöhen, wie zu Beginn des Krieges vor fast vier Jahren, als Moskau auf einen schnellen Sieg hoffte; und die Energieversorgung zu zerstören, um die Ukraine zu lähmen und durchin Kälte, Dunkelheit und Todesgefahr Panik in der Bevölkerung zu verbreiten. Putin hat sein Ziel, und zwar die gesamte Ukraine zu erobern, um von dort aus gemeinsam mit Belarus einen umfassenden Frontalangriff gegen Westeuropa zu starten, nicht aufgegeben. Zwei Achsen scheinen möglich: entweder nach Süden in Richtung Rumänien und Österreich oder nach Norden in Richtung der baltischen Staaten mit Unterstützung der militärisch hochgerüsteten russischen Exklave Kaliningrad. Oder beides gleichzeitig.
Trumps Verrat
Donald Trumps bisher vergeblichen Friedensbemühungen, die für die Vereinigten Staaten beinahe demütigend waren – der freundliche Empfang Putins in Alaska, der Stopp des erfolgreichen israelischen Angriffs auf Gaza und der siegreichen israelisch-amerikanischen Offensive im Iran –, waren fruchtlos. Der Trump-Putin-Gipfel in Budapest wurde von Russland abgesagt. Unterdessen nutzen die terroristischen Armeen des Kremls und seiner Verbündeten – Hamas, Iran – die amerikanischen Waffenstillstände, um sich zu regenerieren und ihre Kriege fortzusetzen. Sie setzen auf Trumps Ermüdung, auf seine Unentschlossenheit und Unberechenbarkeit, auf eine Neigung seine Freunde und Verbündeten zu verraten. Und sie irren nicht. Das bestätigte Trumps Glanzleistung,sein Friedensplan für die Ukraine in 28 Punkten , den er seinem Freund Putin am 20 . Oktober 2025 geschenkt hat. Es handelt sich dabei einfach um die Übergabe der Ukraine mittelfristig an Russland und um den Rückzug Amerikas aus der Verteidigung unseres Kontinents, praktisch um einen Selbtschuss ins Knie.[1]
Der ukrainische Präsident Zelenski hat den Plan sofort mit der Begründung verworfen, dass er sein Volk „nicht verraten kann“ und riskieren muss, „einen Schlüsselverbünden (die USA )zu verlieren“, Dieser Plan scheint in der Tat nicht im Oval Office in Washington, sondern im Kreml oderf in der Lubianka in Moskau verfasst worden zu sein“ An dem Tag, als er diesen Plan öffentlich machte, der im Kreml oder vom russischen Geheimdienst FSB verfasst worden zu sein scheint, hat Trump endlich Farbe bekannt. Dass er politisch ein Banause ist, war schon klar. Aber vielleicht steckt da etwas mehr. drin. Trumps Vorschlag sieht wie eine Kapitulation der Ukraine aus, wofür es auf dem Schlachtfeld keinen Grund gibt, und könnte den Gerüchten über dessen alte Kumpanei mit den russischen Geheimdienten KGB-FSB Nahrung verschaffen. Experten bestätigten, dass die Urfassung des Dokuments aus Moskau gekommen ist. Sein ökonomischer Teil ist für Russland und vor allem für die USA und Trump selbst ausserordentlich vorteilhaft.
„Die Neuigkeiten über den vermeintlich guten Deal, welchen die Trump-Administration mit dem Putin-Regime ausgehandelt hat, bringt mich zum Lachen und verzweifeln zugleich, schreibt uns LInus Misch, unser Korrespondent in Berlin. Wieder mal zeigt Putin sein geschicktes Können, mit Beharrlichkeit und Raffinesse zu erreichen, was ihm beliebt. Und so bleibt uns Europäern nichts übrig, als uns über die Rationalität und Verlässlichkeit unseres amerikanischen Protektors in den USA zu grübeln. Dieser sogenannte „Friedensvertrag“ ist ein Schlag ins Gesicht für alle Ukrainer, alle Europäer, und alle Demokraten, ausgefasst indem man sich über uns Europäer und unsere ukrainischen Freunde hinweggesetzt. Die Zeiten laden zum Verzweifeln ein, doch dürfen wir nicht Verzagen.“
Nur Putin hat sich gefreut und Zelenski unter Druck gesetzt, den Plan anzunehmen, sonst wird der Schaden für sein Land noch grösser als jetzt werden, drohte er, wo jede Nacht russische Dronen und Missilen Wohnhäuser zerstören und viele Zivilisten, Familien, ermorden. Putins Krieg wird eindeutig zu einem Vernichtungskrieg, zu zinem totalitären menschenvernichtenden Unternehmen.
General Mandons Ruckrede
Trumps Plan ist jedenfalls das genaue Gegenteil von General Mandons Warnungen. Der General setzt nicht darauf, vor Putin niederzuknien, was ihn dazu ermutigen würde, noch mehr zu fordern, sondern vor ihm unsere Muskeln spielen zu lassen.General Mandon ist seinerseits gleichermaßen beruhigend und alarmierend. „Wir haben alles, was wir brauchen, um zuversichtlich zu sein“, betonte er und erinnerte daran, dass die Europäer Russland wirtschaftlich, demografisch und industriell überlegen seien. „Russland kann uns nicht einschüchtern, wenn wir uns verteidigen wollen“, bekräftigte er. Für ihn sei die Erhöhung des Militärbudgets daher „grundlegend und bereits eine Frage der öffentlichen Wahrnehmung“. Der General erwähnte auf russischer Seite den Unterwassertorpedo Poseidon und den atomgetriebenen Marschflugkörper Burewestnik. Letzterer, so General Mandon, „kann über zehn Stunden ununterbrochen im Einsatz sein und erreicht dadurch außergewöhnliche Entfernungen. Er verwendet eine besorgniserregende Technologie. Ein nuklearer Kern in einer Waffe ist nicht zu unterschätzen.“ Angesichts des „fehlenden Anzeichens jeglicher Verhandlungsbereitschaft oder Bereitschaft zur Beendigung des Konflikts seitens Moskaus“ plädierte der Generalstabschef für die im Haushalt 2026 geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben um 6 Milliarden Euro. Er scheint Waffensysteme zu bevorzugen, die besser an das jeweilige Gelände angepasst sind. Im Hinblick auf die Luftstreitkräfte denkt er an „Kampfflugzeuge, aber auch Drohnen“ und zeigt sich wenig begeistert vom Projekt zum Bau eines zweiten französischen Flugzeugträgers. Zwar kann der derzeit einzige Flugzeugträger Frankreichs nur sporadisch zwischen den Wartungsintervallen eingesetzt werden. Ein zweiter wäre jedoch mit Kosten von 10 Milliarden Euro sehr teuer, und sein Bau würde viel Zeit in Anspruch nehmen.
Er hält es eher für dringend notwendig, unsere Fregatten mit Raketen aller Reichweiten auszurüsten und gemeinsam mit dem Unternehmen Safran das M88 T-REX-Triebwerk mit 9 Tonnen Schub für die Rafale 5 zu fertigen. Die Unterzeichnung eines „historischen Abkommens“ zwischen Emmanuel Macron und Wolodymyr Selenskyj über die Lieferung von 100 französischen Rafale-Kampfjets an die Ukraine ist ein Schritt in der guten Richtung und vor allem ein Schub für eine europmäische Rüstungsindustrie. Schließlich priorisiert der hochrangige französische Offizier die Truppenausbildung und die Munitionsversorgung. Soldaten müssen mit scharfer Munition trainieren. Er spricht sich außerdem für die Entwicklung von Langstreckendrohnen anstelle der Wiederaufnahme des ballistischen Raketenprogramms aus. Er warnt: „Wir dürfen die Vergangenheit nicht wiederholen.“ Dies bedeutet zweifellos, dass der neue Krieg viel näher an der Basis und den Menschen stattfinden wird und dass wir uns nicht von der groß angelegten russischen Nuklearbedrohung wie in einem Szenario des Dritten Weltkriegs blenden lassen dürfen. Dies ist ein Ablenkungsmanöver, während der eigentliche Krieg fast ausschließlich aus Nahkampf und in einem Hagel von Geschossen zur Demoralisierung der Zivilbevölkerung bestehen wird. Ganz zu schweigen von der Einflussnahme im Cyberraum.
Der französische Verteidigungshaushalt sieht für 2026 57,1 Milliarden Euro vor, was eine deutliche Steigerung um 3 Prozent darstellt. Laut Verteidigungsministerin Catherine Vautrin, die vor allem für die finazierung zuständig sein wird, wird das Militärbudget damit 2,2 Prozent des BIP ausmachen.
Neben der Bedrohung durch Russland sei diese Aufrüstung laut General Mandon durch das Zusammentreffen mehrerer Krisen und Bedrohungen, darunter der Terrorismus im Nahen Osten, notwendig. Er erklärte: „Überall gerät die Lage außer Kontrolle.“ Christian Estrosi begrüßte in seiner Antwort Präsident Macrons Entscheidung, den Verteidigungshaushalt bis 2030 in drei Tranchen auf 80 Milliarden Euro zu erhöhen. (Mit Le Figaro, AFP, 22. Oktober, Les Echos, 6. November und CNews, 20. November 2025)
[1] Trump übernimmt alle Forderungen von Putin: Die Krim, die Oblaste Donetsk und Luhansk und darüber hinaus ukrainische Gebiete, die die russische Armee nicht erobert hat, werden russisch ; Russisch soll in der Ukraine die zweite Amtssprache werden ; Kiew verzichtet darauf, NATO-Mitglied zu werden ; die ukrainische Armee wird von 800 000 auf 600 000 Mann reduziert ; wenn Russland die Ukraine angreift, wird sie von den Europäern verteidigt. Amerika zieht sich militärisch aus Europa zurück und will dann mit Russland Business treiben.
