Ein junger deutscher Freiwilliger erhält 2.600 Euro im Monat, sein französischer Kollege weniger als 745 Euro.
Die Erhöhung der Freiwilligenvergütung beunruhigt deutsche Unternehmen, die ohnehin schon mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach am 26. November in angespannter Atmosphäre vor Wirtschaftsvertretern. Die Unternehmen fürchten einen neuen und unerwarteten Konkurrenten: die Bundeswehr. Junge Freiwillige, die sich für mindestens sechs Monate zur Bundeswehr verpflichten, erhalten nun 2.600 Euro brutto im Monat, was etwa 2.000 Euro netto entspricht – 450 Euro mehr als zuvor. Diese Vergütung ist deutlich höher als bei vergleichbaren Programmen in Frankreich, wie beispielsweise dem Freiwilligen Wehrdienst (SMV), der zwischen 358 und 745 Euro im Monat be zahlt wird (wobei der französische Präsident die Vergütung gerne auf 900 bis 1.000 Euro erhöhen würde.
Arbeitgeberverbände befürchten eine vorübergehende Abwanderung von Mitarbeitern während ihres Wehrdienstes. Noch besorgniserregender ist laut dem Präsidenten der Deutschen Handelskammern, der im „Handelsblatt“ zitiert wurde, dass diese Entwicklung den Wettbewerb um Fachkräfte, die die Wirtschaft dringend benötigt, zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor verschärfen könnte.
Auf dem Weg zu einem Kompromiss zwischen Militär und Wirtschaft
Im Bewusstsein, dass sie die von besseren Bedingungen angelockten Mitarbeiter nicht halten können, plädieren Arbeitgebervertreter nun für einen Kompromiss. Ihr Vorschlag: den freiwilligen Wehrdienst in ein Instrument der Qualifizierung umzuwandeln. Freiwillige könnten ihre Zeit in der Bundeswehr nutzen, um den Führerschein zu erwerben, anerkannte Zertifikate zu erlangen oder an beruflichen Weiterbildungen teilzunehmen. Dadurch würde diese Zeit der Wirtschaft zugutekommen: Die Privatwirtschaft würde zwar vorübergehend Mitarbeiter verlieren, diese aber anschließend besser ausgebildet und produktiver zurückgewinnen.
Ein riskantes Unterfangen für Berlin
Während der Fachkräftemangel das deutsche Wirtschaftswachstum weiterhin bremst, könnte diese Strategie theoretisch einen positiven Kreislauf in Gang setzen: besser ausgebildete Mitarbeiter nach ihrem Wehrdienst, bessere Beschäftigungschancen, die mehr Wohlstand und Steuereinnahmen generieren – und damit mehr Mittel zur Finanzierung der Bundeswehr selbst. Dies ist die Meinung von Arbeitgeberverbänden, die die Regierung auffordern, in die Ausbildung von Rekruten zu investieren, um den Übergang vom öffentlichen in den privaten Sektor zu erleichtern.
„Die stärkste Armee Europas“
Die Entscheidung für ein so attraktives Gehalt deckt sich mit Friedrich Merz’ erklärtem Ziel: die Bundeswehr bis 2035 auf 460.000 Soldaten zu verstärken und sie damit zur stärksten Armee des Kontinents zu machen. Laut einer Studie des Instituts für Deutsche Wirtschaft (IW) in Köln wäre dieses Ziel jedoch selbst im optimistischsten Szenario erst 2039 zu erreichen. Die Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht flammt in Deutschland immer wieder auf. Doch auch hier bezweifeln Experten deren Wirksamkeit. Alles wird davon abhängen, wie viele junge Menschen sich nach ihrer Einberufung für einen langfristigen Dienst in der Armee entscheiden. (BFM Business Radio. Annalisa Cappellini. 25.11.2025)
