
Fayard Publishers. Paris. Dezember 2025. 213 Seiten. 20,90 €.
Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht ein Meisterwerk, nicht nur wegen seines herausragenden Stils und seiner Inspiration, sondern auch, weil es wahrhaftig, authentisch, menschlich und nachdenklich ist, ohne abstrakt zu wirken, und moralisch, ohne zu belehren. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dieses Buch über das Gefängnis an Werke wie Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“ oder Artur Koestlers „Sonnenfinsternis“ erinnert, denn die 21 Tage, die der ehemalige Präsident der Republik im Pariser Gefängnis La Santé verbrachte, ohne auf jegliche Privilegien zu verzichten, werden ein Meilenstein der französischen Geschichte sein.
Nicolas Sarkozy schrieb einen Großteil des Buches im Gefängnis, und es erschien nur wenige Tage nach seiner Freilassung. Es war ein sofortiger Erfolg: 100.000 verkaufte Exemplare innerhalb einer Woche. Sarkozy akzeptierte die ungerechte und haltlose Verurteilung durch eine als „rot“ wahrgenommene Richterin, die ihn nach elf Jahren juristischer Verfolgung, die allesamt mit Freisprüchen endeten, demütigen und brechen sollte. Die Gründe für seine Verurteilung waren, wie in totalitären Staaten, konstruiert. Er wurde ohne Geständnis oder Beweise, allein aufgrund eines Verdachts, verurteilt. Er ertrug die volle Wucht der öffentlichen Schmach, erhielt sogar Morddrohungen von drei Mithäftlingen und wurde im Gefängnis von der linksextremen Partei La France Insoumise (LFI) und linken Zeitungen verfolgt.
Dieses Justizdrama erinnert an die ähnlich inszenierte und aggressive Kampagne, die Gérard Schröders Fre“unde im Jahr 2000 in Deutschland gegen Helmut Kohl führten – eine massive Kampagne, die dem ehemaligen Bundeskanzler illegale Wahlkampffinanzierung vorwarf und alle Medien mobilisierte, nur um schließlich mit seinem Freispruch durch das Gericht zu enden. Der Unterschied liegt darin, dass der Bundeskanzler der deutschen Wiedervereinigung nicht wie Präsident Sarkozy ins Gefängnis geworfen wurde. Sarkozy überzeugte Angela Merkel, gemeinsam mit ihm den Euro zu retten und führte Frankreich zurück in die NATO, aus der es General de Gaulle herasgelöst hatte. Dies verschafft der EU heute Vorteile in ihrer Verteidigung gegen den russischen Angreifer.
Es wurde bewiesen, dass Sarkozy die ihm vorgeworfene Finanzierung seines Wahlkampfs 2012 mit Geld des libyschen Diktators Gaddafi nicht begangen hatte. Das Gericht musste dies bestätigen. Seine Anwälte erreichten seine Freilassung nach drei Wochen Haft, doch sein Missgeschick hat die Absurdität und Willkür dieser Inhaftierung nachgewisen. Erstens, demonstrierte es dass die Justiz in seinem Land nicht mehr objektiv und unabhängig ist. Sie agiert wie eine politische Partei. Die Macht der Richter müsse daher politisch infrage gestellt werden. Zweitens fordert es die Einleitung von Ermittlungen gegen die linksextreme Nachrichtenagentur Mediapart, die während der Präsidentschaftswahlen 2012 ein gefälschtes Anklagedokument gegen Sarkozy veröffentlicht hatte. Ohne ihn namentlich zu nennen, deutet Ex-Präsident Sarkozy an, dass gegen Edwy Plenel, den Direktor von Mediapart und eine der umstrittensten Figuren der französischen Medienlandschaft, ermittelt werden sollte. Man hofft, dass diese Ermittlungen noch vor dem Berufungsverfahren eingeleitet werden, in dem der Ex-Präsident voraussichtlich im März nächsten Jahres freigesprochen wird.
Das Buch ist nicht rachsüchtig geschrieben. Es würdigt vergessene Gruppen der französischen Bevölkerung, wie die sehr humanen Gefängniswärter, die Anwälte, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten, und einen idealistischen Gefängnispfarrer, der den Häftling Sarkozy zum christlichen Glauben zurückführte. Er dankt aufrichtig den Hunderten von Politikern, Intellektuellen, Künstlern und Tausenden von Bürgern, die ihm in Briefen und Botschaften ihre Solidarität bekundeten. Doch es ist auch ein Buch über die „roten Richter“, die mit ihrem hartnäckigen und törichten Groll alles daran setzten, einen Mann zu zerstören. Es zeigt auch, wie Edwy Plenel, der von Sarkozy nie namentlich erwähnt wird, mit einem gefälschten Dokument, das in der linken Zeitung „Libération“ 2012 veröffentlicht wurde, als Sarkozy kurz vor seiner Wiederwahl stand, zu dessen Sturz beitrug.
Es ist bemerkenswert, dass diese Verschwörung nie untersucht wurde. Ebenso bemerkenswert ist, dass Nicolas Sarkozy in diesem Zusammenhang den Politiker François Bayrou nicht erwähnt, der in letzter Minute zu seinem Sturz beitrug, indem er seiner kleinen Anhängerschaft empfahl, für François Hollande zu stimmen. Hollande wiederum trug mit Hilfe seiner Justizministerin Christiane Taubira zum Niedergang Frankreichs bei. Besonders empfehlenswert sind die Seiten 163, 175 und 205. Dieses gut lesbare und verständliche Buch erhebt keine Anklage, sondern wendet sich gegen den politischen Verfall politisch-juristischer Kreise, die von Hass und Neid getrieben werden. Es sollte ins Deutsche und in andere europäische Sprachen übersetzt werden, um die Europäer vor den aktuellen, nicht nur in Frankreich, gegen die Demokratie gerichteten Machenschaften zu warnen. (Jean-Paul Picaper, 5. Januar 2026, ist der Autor des Buches „Nicolas Sarkozy und die Beschleunigung der Politik“. Gollenstein Verlag. Saarbrücken. Mit einem Vorwort von Rudolf Warnking. 440 Seiten. 2008)
