Hin und her mit Lawrow

Eine kurze Abwesenheit von Serguei Lawrow von der politischen Bühne ab Mitte Dezember 2025 hatte gereicht, um vermuten zu lassen, dass er kaltgestellt worden war. Er hatte von sich Mitte August 2025 reden lassen, als er Alaska mit einem t-shirt besucht, worauf die Buchstaben „CCCP“ groß gedruckt waren. In  kyrillischer Schrift bedeuten sie : „UdSSR“, als ob der russische Außenminister die Uhren um 26 Jahre zurückgedreht hätte oder zurückdrehen wollte. Ein guter Witz  zweifelsohne, „a good joke“, um ein bisschen Stimmung beim Besuch in den USA zu erzeugen, da sein  Chef Putin zu wenig lächelt.

Lawrow ist immer wieder ein Spezialist der Realitätsleugnung gewesen. So z. B. als er 2024 bei einem Vortrag in Indien mit der Bemerkung anfing: „Als uns die Ukraine angriff“. Was betretenes Schweigen und Proteste im Saal hervorrief, bis er weiter reden konnte. Vor wenigen Tagen sagte er einen Atomkrieg voraus. Keine Neuigkeit! Der Kreml kündigt seit 4 Jahren den Weltuntergang an, falls der Westen die Ukraine unterstützt. Wir unterstützen die Ukraine, zu wenig zwar, aber zum Überleben gerade ausreichend, und die Welt besteht nach wie vor, und wird weiter bestehen.

Der lange Kerl Lawrow war Anfang Dezember bei bester Gesundheit in Moskau öffentlich aufgetreten – allerdings nur, um die Schuld an dem geplatzten Termin zwischen Trump und Putin von sich zu weisen. Es klang wie ein Protest gegen die Umgebung Putins. Dann sah so aus, als habe Putin seinen langjährigen und stets ergebenen Außenminister kaltgestellt. Lawarow wurde bei wichtigen Terminen nicht mehr gesehen, als ob der Träger der schlechten Nachricht entfernt worden war. Er fehlte als einziger bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, der neben Putin Russland führt.

Es ist in Diktaturen üblich, dass der Boss seine Untergebenen ab und zu abserviert, um seine Schuhsohlen auf ihrem Rücken sauber zu reiben. Und um die anderen Diener zu warnen und Exempel zu statuieren. Aber der alte Diplomat hatte doch keinen Aufstand geplant und war weder aus dem Fenster gefallen noch an einem Herzinfarkt wie Nawalny oder in seinem Flugzeug wie Prigozhin abgestürzt. Den Spekulationen wurde ein Ende gesetzt. Lawrow ist knapp vor Jahresende wieder aufgetreten.

Vielleicht hatte Putin keinen Nachfolger gefunden. Der Job ist risikoreich.. Vielleicht ließ er ihn schmoren, weil er seinen Mund zu oft und daneben aufmachte. Ist er rehabilitiert oder auf die lange Bahn geschoben worden, bis ein neuer Außenminister aufgetischt wird? Ein deutscher  Politikprofessor von der Hochschule Düsseldorf, Volker Eichener, kommentiert dieses „Nicht-Ereignis“ folgendermaßen: „Lawrow wird dann entweder aufs Altenteil geschickt oder er erleidet nach dem Genuss einer Tasse Tee einen Herzinfarkt, weil er zu viel weiß“. („C’l’Europe“, 1. Januar, 2026)