Gerhard Hücker. „Europa neu denken“

Für eine demokratische und souveräne Zukunft

Vigilia Verlag. 2025. 24 €. Kontaktadresse: info@vigilia-verlag.de

Der Autor dieses Buches ist kein Berufspolitologe und kein Berufspolitiker, sondern ein Mann mit praktischer Erfahrung als Unternehmer, Autor, Referent und Verleger. Er entwirft das Bild eines Europas zum Anfassen wie die „Macher“ Helmut Schmidt und Helmut Kohl es sich vorgestellt und dafür Weichen gestellt haben. Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges in den Jahren 1989-91 und nach dessen Neuauflage durch Wladimir Putin (in den Jahren 2014-2022), braucht das neuformierte Groß Europa Identität und Orientierung, die Erkenntnis des Wesentlichen sowie klare, gangbare Entscheidungswege, um auf die schicksalhaften Herausforderungen der 2020er Jahre reagieren zu können. Das alles findet man in diesem Buch.
Die Einheit Europas und die Stabilität seiner demokratischen Werte ist für uns Europäer mitten in einer aus allen Fugen geratenen und grausamen Welt ein unabdingbarer und vitaler Faktor unseres politischen und sonstigen Überlebens geworden, Das ist die Grundidee des Buches. Es hat sich am Englischen Brexit-Beispiel erwiesen, dass der Ausstieg aus der Europäischen Union bzw. aus dem europäischen Einheitsprinzips angesichts der geopolitischen Weltlage katastrophale innere und äussere Folgen haben kann. England weiß nicht mehr wo es hingehört, seine Institutionen werden von inneren Krisen erschüttert. Radikale nationalistische Kräfte unken wieder, die konservative wie die Labour- Mitte sind schwach und amerikanische wie russische Beeinflussung finden dort auf den britischen Inseln einen fruchtbaren Boden.
Nicht nur England leidet. Frankreich ist unter anderen EU-Staaten nach unüberlegten Alleingängen seinesintelligenten und funkelnden, Präsidenten gegen ungeahn te Finanzdefizite und Diplomatiefehltritte gestolpert. Ein bisschen mehr innereuropäische, Solidarkonsultationen, wie das Buch von Gerhard Hücker sie empfiehlt, hätten in beiden sicher Fällen dazy beigetragen,Schaden abzuwenden. Der Einheitsmangel verschafft imperialistischen Großmächten Möglichkeiten, Streit und Zwist zwischen einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zu säen. Auf der anderen Seite hätte eine föderale Entschcidungsstruckturfür eine grössere Felxibilität gesorgt. Es liegt auf der Hand, daass Alleingürge uns verltzbar machen .

„Euroropa steht im Wettbewerb der Machtzentren“, dieser knappe Satz auf dem Buchcover trifft den Nagel auf den Kopf. Wir werden von diesen Machtzentren unterwandert und manipuliert. Und bedroht. Der Autor stellt außerdem die funktionellen Probleme der EU fest, die uns daran hindern , als selbständige Macht darauf zu reagieren. Sind wir richtig und genügend ausgestattet, um souverän aufzutreten und Widerstand gegen die Destabilisierungsversuche zu leisten.
Das einfach verständliche und sehr übersichtlich verfasste Buch, ist fast ein Handbuch, könnte man sagen, weil es in allen Bereichen klare und kurze Umrisse der Probleme aufdeckt und Lösungen dazu formuliert, um den Normalbürger zu befähigen, mit europäischen Mitteln sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Das Buch macht das bürokratische, allzu lomplexe Brüssel-Europa klarerJeder Politologie-Student sollte dieses Buch auswendig lernen. Jeder politisch interessierte Staatsbürger sollte es besitzen und damit das scheinbar komplexe durchschauen, das einfach zu machen ist, um Europa, unser Rettungsanker, stark zu machen.
Der Autor träumt von einem Staat Europa, das unsere ausgeprägte Diversität respektie und aus dieser scheinbaren Schwäche eine Dynamik entwickelt, aber er empfiehlt auch in der heutigen Stress- und Notstandssituation, sich mit einem funktionsfähigen Kerneuropa zu begnügen. Er sucht das Machbare. Unser deutsch-französischer Doppelverein in Straßburg und Berlin wird dem nicht widersprechen. Wir sind auch für ein konföderiertes Europa, dass seine Mitgliedsstaaten achtet und nach dem gemeinsam Wesentlichen sucht, um zwischenstaatlichen und interindividuellen Konsens zu schaffen.
Kein EU-Mitgliedsstaat, nicht einmal Deutschland, kann sich heute allein aus dem internationalen Morast selbst herausziehen. Hinzu kommt, seit dem Zusammenschluss von Xijinpings China mit Putins Russland und seit Trumps Wiederwahl in den USA, dass die EU zwischen diesen drei Großmächten eingeklemmt ist, die sie unterwerfen wollen, nachdem sie ihre Substanz ausgesogen haben. Ganz abgesehen von anderen Gefahren wie der islamistische Terror, die unkontrollierte Migration, die Desinformation und der Cyberkrieg, die Rauschgiftinvasion und die asoziale Verwilderung. Es ist wirklich höchste Zeit, dass Europa sich einen Ruck gibt und als politische Macht auftritt.
In diesem Sinne passt das Buch „Europa neu denken“ als aktuelles Handbuch zu unserem Kontinenten in der zerstückelten (multilateralen) Welt von heute, wie das Buch von Zbigniew Bzrezinski „The Grand Chessboard“ American Primacy And Its Geostrategic Imperatives“ .:“(Das große Schachbrett) zu der hegemonialamerikanischen Welt der 1990er Jahre passte. Hückers Buch würde verdienen, ins französisch und natürlich auch ins englische übersetzt zu werden.
Wir haben nur eine klitzekleine Kritik zu formulieren. Gerhard Hücker schreibt zu der Etymologie des Namens „Europa“ (S. 32), dass es wahrscheinlich aus den altgriechischen Worten „eurys“ und „ops“ stammt und so „weitblickend“ bedeuten könnte. Mag sein, dass es diese Deutung Anspielung auf die breiten Augen der in eine Kuh verwandelte Königstochter „Europa“ war, die mit dem weissen Stier Zeus kopulierte. Aber es ist einfacher und wahrscheinlicher, dass Europa aus der altsemitischen (phönikischen) Inschrift „ereb“ (dunkel, Sonnenuntergang) und „assou“ (hell, Sonnenaufgang) stammt, die auf einer Stele an der Küste der Ägäis standen. „Ereb“ „wurde zu Europ(a) und „Assou“ zu Asia. Heute noch sind wir in der EU das Abendland. Aber ein Leuchtturm der Zivilisation.
(Prof. Dr. Jean-Paul Picaper, Vorsitzender des Vereins „C’l‘(Europe“- Straßburg)