Der russische Außenminister Lawrow ist wieder an die Öffentlichkeit mit einer kriminellen Drohung getreten. Mag sein, dass es in Moskau der Preis ist, den man bezahlen muss, um Putins Gunst zu behalten. Der Kreml-Boss umgibt sich mit aggressiven Schurken, um selbst weniger schurkisch als sie zu wirken. Beispiel hierfür war der selige Schirinowski, sind heute noch Medwedew, Solowjow und andere. Prigoschin spielte dieses gefährliche und demütigende Spiel nicht mit. Er starb. Lawrow drohte also vor wenigen Tagen mit einem atomaren Weltkrieg. Das ist das Leierlied der Kreml-Führung seit vier Jahren gewesen. Die freie Welt hält das für Gestikulation.
Nichtsdestotrotz muss man es ernst nehmen, falls…
Sobald Putin 2022 seine Nuklearstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzte, liefen drei der vier französischen SNL (U-Boote mit Nuklear-Raketenwerfern) aus. Das französische Fernsehen zeigte erstmals Einblicke in das Innere eines dieser U-Boote, besuchte die Unterkünfte der Besatzung und erklärte, dass sich eine Hälfte davon stets in Alarmbereitschaft befand. Gezeigt wurden die Kommandozentrale und die Raketenstartrohre. Es kann auch kein Zufall sein, dass am 7. Januar 2025, der führende Offizier eines französischen SNL an der Sendung „Face à Darius Rochebin“ im französischen Fernsehen (TF1) teilnahm. Würden die USA eine nukleare Konfrontation gegen Russland wagen? Falls ein wahnsinniger Tyrann den Atomknopf drückt, verfügen sie über Notfallpläne? Was tun sie, wenn es Putin gelingt, Trump zu überzeugen, dass ein nukleares „Armageddon“ in der Ukraine möglich ist? Er kann auch versuchen, wenn er seine Drohung glaubhaft macht, einen amerikanischen Erstschlag hervorzurufen. Es ist Putin sicher lieber, den Planeten zu vernichten, als seine Kriegsziele nicht zu erreichen. Zum Glück macht der Rest der Welt nicht mit. Putin ist der Hitler des 21. Jahrhunderts.
Weder die freie Welt noch China machen mit
Die Antwort :
Weder die Amerikaner noch die Europäer (Briten und Franzosen) neigen dazu, nuklear zurückzuschlagen und auf Putins Apokalypse-Inszenierung mitzutanzen. Die Information wurde dem Kreml inoffiziell mitgeteilt, dass kein Atomkrieg von heute auf morgen losgehen kann, wenn auch der Putin-Clan immer wieder damit droht. Der Kreml kann nicht den Westen dazu zwingen, diese Schuld auf sich zu nehmen. In einem Interview mit ABC News formulierte der ehemalige US-General und frühere CIA-Direktor David Petraeus, 73 heute, wie die USA und alle NATO-Staaten auf einen möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Russland im Ukraine-Krieg reagieren würden. Er trat dort am 2. Oktober 2024 in der Nachrichtensendung „ABC News“ (in „This Week with with George Stephanopoulos“) auf und erklärte, dass die USA im Fall eines Einsatzes taktischer nuklearer Waffen durch Russland eine konventionelle NATO-Antwort ausführen würden und russische konventionelle Streitkräfte in der Ukraine, auf der Krim und die Schwarzmeerflotte angreifen würden. Sie würden auch die Nuklearsilos in Russland vernichten betonte Petraeus. Er unterstrich, dass es sich dabei um eine konventionelle und nicht nukleare Antwort handelte, um eine nukleare Eskalation zu vermeiden. Im letzten Sommer hat Trump tatsächlich mit dem Angriff seiner B -2 Spirit-Bomber von Northtrop auf unterirdische Atomanlangen im Iran den Russen gezeigt, dass er das technisch kann.
Petraeus gab damit indirekt zu, dass dies einer direkten Intervention in Russland gleichkäme. Aber sie sollte theoretisch unter der Flagge der Vereinten Nationen erfolgen, da das Weiße Haus damals (unter Joe Biden als Präsident) eine militärische Konfrontation mit dem Kreml vermeiden wollte. Die Amerikaner legten Putin Satellitenbilder vor, die die Positionen der russischen Streitkräfte und Atomsilos in Russland metergenau zeigten. Putin muss überrascht gewesen sein, er drohte dann, die amerikanischen Satelliten zu zerstören. Als Grund gab er an, diese hätten die ukrainische Armee unterstützt. Das Pentagon antwortete umgehend, die Vergeltung wäre dann angemessen. Die amerikanische Position war jedoch eher abwartend und ist es theoretisch noch. Während ihres dreistündigen Treffens am 14. November 2022 beim G20-Gipfel in Bali ermutigte der Chinese Xi Jinping Joe Biden sicherlich nicht dazu, eine Konfrontation mit Putin zu riskieren. Aber dasselbe umgekehrt hat er sicherlich ebenfalls Putin empfohlen. China und Indien halten sicherlich Putin an der kurzen Leine, weil sie nicht wünschen, dass die internationalen Märkte und Käufer zerstört werden. Aber man kann nicht ausschließen, dass der Madman im Kreml ausrastet und vorerst eine taktische Atomwaffe in der Ukraine einsetzt, statt sich wie heute damit zu begnügen, die ukrainische Zivilbevölkerung täglich und nächtlich zu massakrieren.
Risiko oder Test ?
Eine andere Gefahr liegt darin, dass die heutigen führenden Politiker keinen Weltkrieg wie die Generationen davor erlebt haben und die Lehren daraus nicht gezogen haben. Das Neue ist außerdem, dass Trump heute die Direktkonfrontation nicht mehr scheut. So kann man heute nicht mehr wie z. B. der französische Politologe Frédéric Encel, Autor des Buches „Der dritte Weltkrieg findet nicht statt“ sicher sein, dass der globale Friede erhalten bleibt.
Trump hat die Konfrontation gewagt, als er bewaffnete amerikanische Uniformierte auf ein (theoretisch) amerikanisches Schiff steigen ließ und es im Nordatlantik 120 Km südlich von Island beschlagnahm. Trump ist damit ein Risiko eingegangen, aber es war sicherlich auch ein Test: Putin hat diesmal nicht zurückgeschlagen.
Der Kremlchef weiß, dass er nicht imstande ist, ein Handstreich wie neulich Trump im Venezuela zu vollziehen. Zumal ohne Blutvergießen. Es war ihm am 25. und 26. Februar 2022 nicht einmal gelungen, den Flughafen Hostomel bei Kiew von seiner Eliteeinheit erobern zu lassen. Die russischen Elitetruppen wurden gleich nach ihrer Landung per Fallschirm von den Ukrainern blutig niedergeschlagen.
Seit dieser entscheidenden Anfangs niederlage tritt er fasst auf der Stelle in der Ukraine. Wie lange noch, wird die Lage für die freie Welt so günstig sein? ? Diese Frage stellt man sich sicherlich im Pentagon. Trump will zweifellos seine Position ausbauen, solange er noch kann. Daher auch seine Eile, Grönland zu annektieren, nicht nur wegen der reichen Bodenschätze, ähnlich wie in Venezuela, sondern auch, weil dieser Kontinent ein maritimer Schutzschild am Pol gegen Russland und China ist.
Grönland ist zwar politisch europäisch, aber geopolitisch amerikanisch. Die Frage ist: wäre Dänemark, wäre die EU in der Lage, Grönland vor der Eroberung durch Russland besser als die USA zu verteidigen? (Jean-Paul Picaper. 10.01.2026. Der Autor lehrte Politologie an der FU Berlin und war anschließend Deutschlandkorrespondent der französischen Tageszeitung „Le Figaro“)
