EUROPA UND DER REST AUS FRANKREICHS SICHT

(Unsere Momentaufnahme vom Sommer 2025 konzentriert sich auf Frankreich. Unsere Herbst-Momentaufnahme 2025 wird sich Deutschland zuwenden)

Frankreich im Urlaub

(Dieser Text eines a anonymen Sonderlings war fast unübersetzbar. Wir versuchen es trotzdem.  Es liegt auch daran, dass französisch eine seltsame Sprache ist)

Sind Sie so verwirrt wie ich angesichts des aktuellen Geschehens ? Wissen sie noch, wo sich die Realität von der Fiktion unterscheidet ? Viele Menschen glauben bereits, vier Jahre nach der russischen Invasion vom 22. Februar 2022, dass die Ukraine Russland angegriffen hat, um es zu erobern, und dass heute, anderthalb Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023, der jüdische Staat den Gazastreifen angreift, um die Kinder dort auszuhungern. Wie können wir das überprüfen? Erstens ist es weit weg von uns. Zweitens ist der Zutritt verboten.

Dass Israel unabhängigen Journalisten die Einreise nach Gaza verweigert, macht die Sache nicht besser. Sieht so aus, als ob Tsahal etwas vor uns verbergen würde. Aber die Juden sind so oft verraten worden, dass sie zu Recht misstrauisch sind. Das Schlimmste ist, dass unsere elektronischen Medien uns seit Monaten mit sogenannten „unabhängigen“ Berichten über Gaza versorgen, aber man erkennt oft an den finsteren Gesichtern ihrer Autoren und an deren Haltung, sofern sie sich zu erkennen geben, dass es sich um Hamassiden[1] reinen Wassers handelt. Also versuchen wir, all das zu vergessen. Wir machten lieber Urlaub auf überfüllten Autobahnen und an überhitzten Stränden.

Außerdem gibt es in Frankreich andere Dinge, über die man nachdenken muss; als die Religionskriege: steigende Mautgebühren und sinkende Kaufkraft, Drogendealer und Hitzewellen und, aufgepasst: das absolute Gift Neonicotinoid Acetamiprid auf Rübenblättern. Zwischen Weizen und Rüben toben die Rave-Partys. Darüber verärgert, dort nicht eingeladen zu werden, baute François Bayrou, der Premierminister, der anstelle von Emmanuel Maron, der in die Internationale ausgewandert ist, die Schläge einstecken soll, sein eigenes soziales Netzwerk auf. Wird er an der Präsidenten-Apotheose am 21. September bei den Vereinten Nationen in New York teilnehmen, mit Deklamationen, Fotos, Filmen, Skandalen genug, um aufzufallen? Während des Sommers blieben Bruno Retailleau, der Innenminister und Gérald Darmanin, der Justizminister in Frankreich auf ihren Posten, um zu beweisen, dass es so etwas wie einen Staat gibt. Am überfüllten Strand manifestierte sich dieser durch ein Rauchverbot im Sand.

Das bedeutet, dass die Raucher nächstes Jahr in die Sahara auf der marokkanischen Seite ziehen werden, um das Wasserpfeifenrauchen nur in den Oasen zu üben, wo es erlaubt ist. Unrasiert und fern der Heimat werden die Franzosen in anderen Gefilden, fernab der Autobahnstaus, den Kopf frei bekommen und die französischen Städte und Dörfer den Dealern und ihrer verträumten Kundschaft überlassen. Diese gütigen Todeshändler mögen hier und da ein wenig töten, aber diesen Sommer verteilten sie Geldscheine, Süßigkeiten und Eis an Kinder und boten den sesshaften Bewohnern kostenlose Dienstleistungen an. Die nicht weniger netten Brüder, die die Scharia predigen, versuchten ihrerseits, mit Dchellaba, Abbaya, Tschador, Hijab und Kufiya bekleidet für Ordnung zu sorgen. Die Baskenmütze und der bretonische Hut werden Häupter  nicht länger bedecken. Der Burkini ist noch nicht für Strandmädchen. Er hat sich nicht durchgesetzt, aber er wird wiederkommen. Wenn sie Frauen ihre Kleidung und Männern ihre Bartlänge vorschreiben. Wer sind „sie“? Passt! Schweigen ist angesagt, und die Lippen sind nach algerischer Art zugenäht.

Wir haben zu viel über Trump geredet. Zu viel Trump ist zu viel. Dieser Trump ist so wandelbar, dass er nicht mehr der Trump des Anfangs ist, aber schon schlimmer ist er als der Trump vom Ende. Ein „Friedensstifter“ behauptet er zu sein, zumindest laut seinem Buch über den „Deal“, das er 1987 im Schatten des KGB schrieb. Die Methode besteht darin, dem Gegner zu geben, was er verlangt, damit er einen in Ruhe lässt. Verdammt clever, nicht wahr? Donalds amerikanischer Traum ist es, wie Obama durch den Friedensnobelpreis in die Geschichte einzugehen und nicht durch ein Blutbad wie Putin, Khamenei und andere Menschheitsreiniger. Putin ist ein lügender Bluffer. Trump ist ein prahlerischer Bluffer, aber kein Killer. Und doch hat er in Alaska nichts Außergewöhnliches erreicht, dieser gute Trump, der von seinem russischen Genossen getäuscht wurde? Er wird sich damit abfinden müssen, die amerikanische Wirtschaft mit Zöllen zu ruinieren, die seine Mitbürger zahlen, während der Rest der Welt anderswo als in die USA kaufen und verkaufen wird. Ein radikalerer Weg ist das, Uncle Sam zu töten, als die Anti-Putin-Sanktionen Russland schaden könne, die Trump ankündigt, ohne sie anzuwenden. Wer schlägt ihm denn das alles vor?

Die amerikanische Ebbe wird uns guttun, denn wir werden, irgendwo zwischen „Reality-TV“ und „Fakes“, von atlantischer Musik überflutet. Uns schwindelt,. Außerdem diktieren  uns Palästinenser, Immigrationisten und Woke-Legebetistesn, was man sagen darf, ohne sie zu beleidigen, und was ungesagt bleiben muss. Denn wir leben zunehmend in der virtuellen Welt. Tik und Tok und Co. geben den Ton an. Bis auf die Knochen tätowiert unter Einfluss kollektiver Hysterie, sehen junge Menschen nur noch die glasige Oberfläche ihrer Smartphone-Bildschirme, und alte Menschen schließen die Augen, um nichts sehen zu müssen. Wir müssen nicht die Apokalypse des Johannes lesen, um zu wissen, was uns erwartet. Die Astronomie kümmert sich darum, uns zu warnen. Dass sich unsere Galaxie sich bereits in einem  Schwarzen Loch dreht. Dass das Universum früher als erwartet verdampfen wird, in X Milliarden Jahren statt in etwa Y Milliarden. Ist es nicht Zeit, die Koffer zu packen?

Vergessen Sie nicht Ihre Ionen-Taschenlampe zur Orientierung. Aber wohin, wenn es kein Universum mehr gibt? Mars und Mond sind nicht sehr gastfreundlich. Was Europa, den Eismond des Jupiters, oder Anceladus, den eisigen, methanisierten Mond des Saturns, betrifft, würden Sie sich dort warm anziehen müssen. Und außerdem sind die kosmischen Zahlen ebenso unfassbar wie diejenigen der französischen Staatsverschuldung. Sie ist so hoch, dass der ehemalige Finanzminister Bruno Le Maire regelmäßig und unauffällig in die Schweiz fährt, um seine Migräne zu behandeln. Männer und Frauen im Schwarzen Loch wissen nicht mehr, wie das Europa von Schuman und Adenauer war, die erste deutsch-französische Ehe, dann Adenauers erneute Ehe mit De Gaulle, dann Giscard-Schmidt, Kohl-Mitterrand und sogar Sarko-Merkel. Exemplarische Versöhnungsfälle aus der Vergangenheit.

„Wer sind diese Leute?“, fragen die Erstwähler. In Frankreich und Deutschland sind sie 18. In Großbritannien werden sie bald 16 sein. Das Wahlrecht wird immer früher, bis in die Wiege vergeben. Die Junioren kennen Europa durch Interrail und Erasmus und sprechen bereits besser Englisch als ihre Muttersprache, aber was bedeuten ihnen die Errungenschaften der Europäischen Union? Das Russland vom FSB, der Iran unter den Mullahs, wo ist das? Kabul unter den Taliban, was ist das? Dort muss es besser sein. „Europa ist konservativ, also kryptofaschistisch“, sagt Merluchon (sorry, Korrektur: Mélenchon).[2]Mélenchon liebt Rama“ wird der Schlachtruf im Schatten der hohen Minarette sein.

Zwischen Urlaub und  Schlendrian vergeht alles, „panta rei“. Frankreich hat noch keinen neuen Präsidenten, aber eine Reihe von Kandidaten für das Amt. Zum Glück hat Deutschland einen richtigen Kanzler. Sehr groß mit einem sehr kurzen Namen: Merz. Die letzten Germanophilen in Frankreich oder Frankophilen in Deutschland versuchen, die Merzcron-Legierung zu schmieden. Aber Diesel wird das letzte deutsche Wort sein, das man in französischen Schulen lernen wird. Vor dem Umstiegen auf Elektro. Dennoch müssen wir gegen den gemeinsamen Feind vereint bleiben: Putin? Khamenei? Erdogan? Ukrainer, Polen, Litauer und andere Balten geben uns ein Beispiel: Nie wieder unter dem russischen Joch leben. Aber auch nicht unter dem mohammedanischen. Und noch etwas hat sich geändert: Israelisch mutierte Juden sind nicht mehr wie die Lämmer von gestern, die man ungestraft nach Hitler-Art vergasen konnte. Aber auch nicht auf einen Schlag nach Khamenei-Art zu atomisieren.

Es geschieht allerlei Neues: Netanjahu wagt es, sich gegen Macron zu behaupten! Die Welt, die jetzt „der Planet“ genannt wird, könnte uns noch überraschen. Diesen Sommer zeigte das Fernsehen einer halben Million Franzosen – oder denen, die es vermutlich waren – live, wie ein gewisser Jean Ponomarove zu Tod misshandelt und gefoltert wurde! Was für ein bezauberndes Schauspiel, würdig eines Landes, das unterwegs von der Dekonstruktion bis zur Demolierung ist. Man hat das Gefühl, dass sich irgendwo etwas Unvorhergesehenes zusammenbraut. Dass es so nicht weitergehen kann. Wer hätte gedacht, dass Trump zwei Atom-U-Boote ins Meer schicken würde, um den unverschämten Dimitri Medwedew zum Schweigen zu bringen? Wird Putins Regime, aufgebläht wie die bauchigen Türme des Kremls, implodieren? Wann wird Ali Khamenei in den Himmel aufsteigen, um Allah zu begegnen? Wer wird ihn dafür auf die Schulter heben? Der stets erfinderische Erdogan produzierte eine sehr große traditionelle Streubombe, um Israel in die Knie zu zwingen. Khamenei kann seine antiisraelische Atomwaffe nicht mehr produzieren. Die Lücke war zu haben. Aber Sultan Recep Tayyip sitzt selbst auf einer Bombe: sein Volk, das ihn hasst.

Um uns keine Sorgen zu machen, zeigen die 8-Uhr-Nachrichten nicht mehr die Barbaren, die durch unsere durchlässigen Grenzen eindringen. Juden und Christen sind im Visier der Eindringlinge. Aber die Polizei schützt unsere Kirchen und Synagogen. Es wird keinen Bürgerkrieg geben, weil die Regierung die Franzosen entwaffnet hat, und auch keinen Dritten Weltkrieg, den es nur auf „Putin-TV“ gibt. Dieser Wahnsinn ist wie der Wolf, der vorhergesagt wurde, aber nie in Erscheinung trat. Was also kommt? Scharen von Petitionen fallen über uns her wie Heuschreckenschwärme. Sie fordern uns auf, einen Selbstmord der Zivilisation zu begehen, um den Kannibalen Platz zu machen. Also sprach der Prophet!

Die Dekonstruktivisten reichen Petitionen ein, weil sie auf dem Straßenpflaster nicht demonstrieren können, der bei der sengenden Hitze an den Fußsohlen brennt. Wo sind die schönen Sommer 1792–1793, als Köpfe auf Spießen durch die Straßen getragen wurden, und der Frühling 1968, als der Strand unter dem Kopfsteinpflaster zu sehen war? Wo sind die guten alten Zeiten mit der heimatlichen Guillotine und den schönen Barrikaden? Wir haben nicht einmal Holz, um Scheiterhaufen anzuzünden, weil unsere Wälder brennen. Frankreich ist nicht mehr das, was es einmal war. Millionen von Franzosen unterschreiben vorgefertigte fertige Ideen.

 Ist es nicht beruhigend zu sehen, dass jeder so denken wird wie jeder andere? Eine einheitliche Denkweise zeitigt ein einheitliches Regime. So wird Ruhe besser wiederhergestellt, als mit Beruhigungpillen. Der Große Bruder wacht über Euch. Er ist gütig und aufmerksam der Große Bruder. Er hat viele Gesichter. Wie Bruder Mao sagte: „Die Macht steckt an der Spitze des Gewehrs“. Es wird empfohlen, den Islamofaschismus als Kommunismusersatz durzusetzen, den alle, die heute noch darunter leiden, lorwerden wollen, Dafür wird die Unterstützung der Turbanträger; des heutigen Ersatzproletariats, requiriert. (Simplicius Simplicissimus.  Ende August 2025)

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Gaza im Fokus

Ein französischer Patzer:  Die elegante und lächelnde Studentin war eine Terroristin

Ihr Name war Nour Atallah. Sie war 25 Jahre alt. Sie hielt sich in Frankreich auf, dessen Präsident am 21. September im UN-Hauptquartier Palästina anerkennen will. Nour war aus „Palästina“, Gaza oder dem Westjordanland, kommend, am 11. Juli 2025 auf unserem Boden gelandet. Sie hatte ein „France Excellence“-Stipendium des französischen Konsulats in Jerusalem erhalten. Als die Leitung des Instituts für Politikwissenschaft (IEP) in Lille um ihre Aufnahme gebeten wurde, sagte es zu, da ihr akademischer Hintergrund (ein Jurastudium an der Universität von Palästina) „relevant“ sei. Für das Studienjahr 2025 wurde schnell ein Masterstudienplatz in Kommunikation und Medien für sie gefunden. Aufgrund fehlender Zimmer wurde sie dringend in einer komfortablen, leerstehenden Wohnung von Herrn Étienne Peyrat, dem Direktor des IEP Lille, untergebracht.

Ende Juli 2025 war sie in einem Videointerview mit dem Sender RMC zu sehen und beschrieb diesen Ort als „hell und voller Bücher“. Elegant und lächelnd freute sie sich, „endlich an einem sicheren Ort“ zu sein, weit weg von den bösen Israelis. Beruhigender Weise zeigte sie tugendhafte persönliche Ambitionen: „Eine humanitäre Helferin zu werden, zurückzukehren und den Menschen in Gaza zu helfen.“ Auf Nachfrage begrüßte auch Herr Peyrat diese Aufnahme, die die „Werte der Offenheit und Solidarität“ seiner Schule widerspiegelt. Kurz gesagt: eine wunderbare Geste der Menschlichkeit, genau wie wir sie in Frankreich mögen!

Eine schöne Geste im Einklang mit unseren Werten.

Aber zack! Die freundliche Nour verschwand, über Nacht. Abgeschoben nach Katar, die Arme! Überaus neugierige Internetnutzer hatten die wahre Mission dieser charmanten Person entdeckt! Ein ihr zugeschriebener X-Account enthielt eine Reihe grausamer Bemerkungen. Knapp zwei Tage nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel durch Palästinenser der Hamas veröffentlichte sie einen Aufruf, die Hinrichtungen der Geiseln in „hoher Qualität“ zu filmen und an die Medien „des perversen Westens“ zu senden. Ein Jahr später verherrlichte sie Adolf Hitler und teilte ein Video einer Rede des Führers gegen die Juden. Angehängt war ein Text: „Tötet ihre Jungen und ihre Alten. Habt kein Mitleid mit ihnen … Und tötet sie überall.“ Diese Anspielung auf das Nazi-Monster und seine Methoden gilt in Frankreich als geschmacklos. Kein Vergleich. In Frankreich ist das nicht akzeptabel.

Aber in Palästina ist es in Mode. In Gaza, wo er gegen die Hamas kämpfte, fand der israelische Reservist Elkana Cohen ins Arabische übersetzte Exemplare von „Mein Kampf“ und Schulübungen, die Hass auf Israel lehrten. In einem Mathematikbuch, so bemerkte er, wurden die Schüler gebeten, folgende Aufgabe zu lösen: „Ein Mann braucht 40 Minuten, um einen Juden zu töten. Wie lange wird er brauchen, um zurückzukehren?“Die Hamas hat das gesamte Bildungssystem infiltriert“, schreibt dieser Augenzeuge. Genau das versucht die Hamas auch an europäischen Universitäten: Sie infiltriert sogar Hirne, wohl wissend, dass die Studenten von heute die Führungspersonen von morgen sind. Nach all dem dürfte es nicht mehr überraschen, dass französische Studenten die Hamas-Fahne schwenken.

Das Tüpfelchen auf dem i: In einem ihrer Posts gab Nour Atallah an, sie sei die Nichte des persönlichen Leibwächters eines der Gründer der Hamas, des Terroristen Scheich Ahmed Yassin!

Die Sirenen Palästinas

Ihr Fall zeigt, dass es nichts Besseres gibt als schicke, vornehme junge Frauen wie sie, um die islamistisch-terroristische Offensive der palästinensischen Hamas zu unterstützen. Viele dieser islamistischen Musen haben unser offenes Hochschulsystem infiltriert. Und da Frankreich ein Land der Meinungs- und Redefreiheit ist, wie hätte man Frau Atallah daran hindern können, ihr palästinensisches Brevier des politisch-religiösen Hasses (ohne Tippfehler) an französischen Universitäten zu twittern? Es stimmt, dass der Antisemitismus, der sich allmählich in Frankreich ausbreitet, immer noch ein Verbrechen ist. Vor allem, wenn er von Mordaufrufen begleitet wird.

Doch das Internet, so flüchtig es auch sein mag, hinterlässt dennoch Spuren. Noir Atallah wurde im nächsten Jahr mit Zustimmung der Bildungsministerin Élisabeth Borne von den Sciences Politiques Lille exmatrikuliert und geriet ins Visier einer gerichtlichen Untersuchung wegen „ Verherrlichung des  Terrorismus und Verherrlichung von  Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Es war schwierig, diese Affäre zu überdecken, die zu einem so ungünstigen Zeitpunkt stattfand, als das fortschrittliche Frankreich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Palästina vorbereitete, das unseren Werten so sehr widersprach. Glücklicherweise brachte Justizminister Gérald Darmanin es am 3. August 2025 im „Journal du Dimanche“ auf den Punkt: „Wenn man das Glück hat, von Frankreich willkommen geheißen zu werden“, sagte er, „respektiert man seine Gesetze und Werte. Antisemitische Bemerkungen oder Entschuldigungen für Terrorismus sind inakzeptabel insbesondere, wenn man von der Großzügigkeit der Republik profitiert. Da diese Person keine Französin ist, erscheint es mir offensichtlich, dass sie das Land verlassen muss.“ [3]Also, ohne Umschweife. Der Gegenwind begann übel zu riechen. Der Medienwahn musste ein Ende finden.

Versuche, die Affäre im Fernsehen durch spannende lokale Nachrichten zu vertuschen, waren offensichtlich gescheitert, und der Druck stieg. Der Außenminister Barrot traf die klare und radikale Entscheidung, die Türen für die palästinensische Einwanderung insgesamt zu schließen, bis die Lage klarer wurde. Der Fall Nour Atallah war der französischen Außenpolitik ein Dorn im Auge. Aber können wir die Staatsangehörigen eines „Staates“, den wir anerkennen werden, zurückweisen?

Obwohl sie in Untersuchungshaft war, hätte  die nette Islamistin weiterhin ihr monatliches Gehalt von 900 Euro netto plus „großzügige“ Sozialleistungen weiter erhalten, so Darmanin, darunter Unterkunft und kostenlose medizinische Versorgung, falls erforderlich. Auf höchster Regierungsebene, so hieß es, braute sich der Skandal zusammen. Unsere Gesetze sind so beschaffen, dass Frau Atallah den Status eines „politischen Flüchtlings“ hätte wie die rund 300 Palästinenser beanspruchen können, die bereits in Frankreich aufgenommen worden waren. Journalisten zögerten. Was sollte man sagen?, schreiben? Darüber reden oder nicht? Darmanins Rat erhielt Zuspruch. Die Unruhestifterin musste ins Abseits gedrängt werden. Am Morgen des 4. August erfuhren wir, dass sie bereits in der Nacht aus dem Verkehr gezogen worden war.

Nour Atallah wurde ohne großes Aufsehen und ohne Fotografen aus Frankreich per Flugzeug nach Katar ausgewiesen, das sie freundlicherweise aufnahm. Seltsam! Die Hamas hatte vor ihrer Niederlage ihr Hauptquartier in Katar. Ein Hauch von Realismus, selbst im Königreich Mohammeds, machte zweifellos deutlich, dass Paris und Washington nicht glücklich wären, wenn der charmanten Nour nicht sofort ein 5-Sterne-Zelt in der Wüste angeboten würde. Offenbar zögern Katar und Saudi-Arabien, den palästinensischen Staat anzuerkennen, bevor die Hamas ihre Waffen niederlegt und sie einer legitimen palästinensischen Autorität übergibt…

Ein kleines Erdbeben

Der eklatante Fall der mutmaßlichen Studentin hatte ein kleines Erdbeben in der Regierung ausgelöst. Es hatte sich seit der Kehrtwende des französischen Präsidenten zugunsten Palästinas angebahnt, die in Israel und den USA auf heftige Kritik gestoßen war. Der französische Innenminister Bruno Retailleau leitete umgehend rechtliche Schritte ein und ließ das X-Konto von Frau Atallah schließen. „Hamas-Propagandisten haben in unserem Land keinen Platz“, schrieb er am 30. Juli in eigener Sache und verwies auf die „inakzeptablen und verstörenden Äußerungen“ der betroffenen Person.

Er betonte, dass das Einreiseverfahren der jungen Frau nach Frankreich nicht von seinem Ministerium festgelegt worden sei. Die Auswahl sei vom Außenministerium „auf Grundlage akademischer Exzellenzkriterien“ getroffen worden, unterstützt durch „vorherige Sicherheitsüberprüfungen“. Herr Retailleau hatte Kontakt zur Pharos-Plattform aufgenommen (einer staatlichen Stelle, die für die Erkennung von Cyberkriminalität und illegalen Online-Inhalten zuständig ist). Er bestritt, die Ursache für ein Sicherheitsversagen zu sein.

Unsere Aufgabe“, schrieb er, „ist es, Bedrohungen gegen Frankreich und die Franzosen zu untersuchen. Was im Ausland passiert, betrifft die für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Ministerien …“, fügte sein Umfeld hinzu. „Die Überprüfungen der zuständigen Dienste der betroffenen Ministerien haben eindeutig nicht funktioniert“, musste Außenminister Jean-Noël Barrot zugeben. Am 1. August  war Nour Atallah in Gewahrsam genommen worden, bis über ihr Schicksal entschieden wurde. Und das nahm ein Ende, wie gesagt. Aber nehmen wir an, sie wäre unbemerkt in Frankreich geblieben…

Die sympathische Nour wäre als Verfechterin der Ausrottung Israels unbemerkt geblieben, wenn ihr Missionierungsgeist sie nicht dazu gebracht hätte, auf ihrem Internet-Account den Schatten des antisemitischen Diktators, der am 30. April 1945 in seinem Berliner Bunker Selbstmord beging, namentlich zu beschwören. Der Name des Führers erregt nur allzu viel Aufmerksamkeit, insbesondere im Zusammenahng mit Jerusalem, der ehemaligen Hauptstadt von Hitlers seligemFreund und Komplizen, dem Großmufti Hadsch Amin al-Husseini, dem historischen Führer Palästinas. (Gérard Arudy. Free lance Journalist. 2. Juli 2025)

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Wer war Hadsch Amin al-Husseini?

Adolf Hitler hatte am 28. November 1941 in Berlin den Großmufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini (1895-1974), den wichtigsten Führer Palästinas empfangen, das damals unter britischem Mandat stand. Historiker spekulieren, dass al-Husseini den Führer davon überzeugte, alle Juden Europas zu töten So machen sie ihn für den Holocaust verantwortlich. Tatsächlich trafen sich am 20. Januar 1942, zwei Monate nach seiner Begegnung  mit dem Naziführer fünfzehn hochrangige Vertreter der NSDAP und der deutschen Verwaltung in einer Villa in Wannsee, einem Vorort von Berlin, um die Umsetzung der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, d. h. die Ermordung aller Juden Europas zu besprechen.

Aufgrund fehlender materieller Beweise ist die Überzeugungskraft des Großmuftis gegenüber Hitler umstritten. Benjamin Netanjahu ist wahrscheinlich zu weit gegangen, als er neulich erklärte, Hitler habe im Zweiten Weltkrieg nicht die Absicht gehabt, alle Juden auszurotten, sondern sie nur zu vertreiben, dass jedoch der palästinensische Scheich Hitlers Meinung geändert habe. Diese Idee der Vertreibung der Juden, die „Operation Madagaskar“, existierte tatsächlich, allerdings vor dem Weltkrieg. Al-Husseini war daher nicht der Anstifter des Holocaust. Er mag Hitlers Entschlossenheit bestärkt haben, aber er brachte ihn nicht auf die Idee.

Sicherlich war der Großmufti von Palästina von der Idee, alle Juden zu töten, besessen. Aus einer zuverlässigen Quelle geht hervor, dass er „1929 das erste große Pogrom in Jerusalem inspiriert hatte“, ein entferntes Vorspiel zum 7. Oktober 2023. „Anschließend näherte er sich den Nazis, die ihn finanzierten, an und tat dies auch in den 1930er Jahren.“ Ab 1939 gründete er südlich von Berlin einen Radiosender, der antisemitische Programme auf Arabisch in den Nahen Osten ausstrahlte, und 1941 zettelte er einen prodeutschen Putsch im Irak an. 1940 kritzelte er: „Deutschland und Italien erkennen das Recht der arabischen Länder an, das jüdische Problem zu lösen“.

Der Großmufti  „betonte ständig die Ähnlichkeiten zwischen Islam und Nationalsozialismus … Als Himmler 1943 20.000 deutsche Gefangene gegen 5.000 jüdische Kinder austauschen wollte, die nach Palästina hätten auswandern sollen, widersetzte sich al-Husseini erfolgreich diesem Plan und verhinderte auch die Auswanderung Tausender bulgarischer, rumänischer und ungarischer jüdischer Kinder in den Nahen Osten. Er ist daher in jedem Fall für den Tod Tausender Juden verantwortlich“.

Das angesehene Buch „Nazis, Islamists, and the Making of the Modern Middle East“ aus dem Jahr 2014, erschienen bei Yale University Press, das diese Fakten erwähnt, wurde von den Historikern Wolfgang Schwanitz und Barry Rubin verfasst. Sie meinen, dass al-Hadsch Amin al-Husseini Einfluss auf Hitlers Entscheidung hatte, die europäischen Juden systematisch zu vernichten. Es gibt jedoch keine Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen Ende 1941 und Anfang 1942. Die meisten Historiker denken dass die Endlösung bereits vor dem Treffen zwischen Hitler und al-Husseini und der Wannsee-Konferenz mit den Massenhinrichtungen jüdischer Gemeinden in Osteuropa begann.

Wolfgang Schwanitz hingegen beharrt – vielleicht zu Recht – auf seiner Erklärung, dass „die Kollaboration des Großmuftis von Jerusalem mit Hitler eine wichtige Rolle im Holocaust spielte und er der wichtigste außereuropäische Berater bei der Vernichtung der europäischen Juden war“. Adolf Eichmanns Stellvertreter im Amt für Judenfragen, Dieter Wisliceny, erklärte bei den Nürnberger Prozessen: „Mir scheint, dass der Großmufti, der ab 1941 in Berlin lebte, eine nicht unerhebliche Rolle bei der Entscheidung der deutschen Regierung zur Vernichtung der europäischen Juden spielte.“ Und in seinen in Damaskus verfassten Memoiren, so Schwanitz, „gab der Mufti zu, Hitler und andere Naziführer beraten zu haben und über den stattfindenden Massenmord bestens informiert gewesen zu sein.“

Wurde die Hamas von der muslimischen SS-Division „Handschar“ (arabisch für „Dolch“) inspiriert, deren Gründung durch Heinrich Himmler das Bündnis zwischen dem Dritten Reich und dem muslimischen Palästina besiegelte?  Diese Frage könnten Politikwissenschaftler beantworten. Es gibt Ähnlichkeiten in Ideen, Verhaltensweisen, Symbolik und Taktik zwischen der SS und der Hamas. Beide sind eher in Banden als in Armeen organisiert und agieren wie alte Schwertkämpfer, die ihrem Anführer einen Eid geschworen haben, hinter ihrer Flagge vereint und unter Rufen und Gesängen marschieren. Lebt der Geist Hitlers in Palästina weiter? Nicht nur dort sicherlich, aber…(Jean-Paul Picaper. 08.03.2025)ENDE DER KAPITELS GAZA


[1] Nennen wir die Mitglieder dieser terroristischen Gruppierung so.

[2] Merluchon ist der Namen eines Fischs: Stockfisch.

[3] Herr Darmanin erinnerte daran, dass er die Zustimmung des Verwaltungsgerichts (Conseil d’Etat) zur Ausweisung der palästinensischen Aktivistin Mariam Abou Daqqa im Oktober 2023 erhalten hatte, und zwar aus den gleichen Gründen wie im Fall Nour Atallah.