Eine elsässische Initiative für ein europäisches und dezentralisiertes Frankreich.
Die Annahme des Antrags des Elsass auf Austritt aus der Region Grand Est in erster Lesung durch die Nationalversammlung des französischen Parlaments am 8. April 2026 ist für die ICA (Elsässische Bürgerinitiative) unter dem Vorsitz unseres Freundes und elsässischen Mitglieds Pierre Klein ein bedeutender Erfolg. Seit der sozialistische Präsident der Republik, François Hollande, am 16. Januar 2015 über Nacht die Anzahl der französischen Regionen von 22 auf 13 reduzierte, kämpft die ICA unermüdlich gegen diese neue willkürliche Landkarte, die „entworfen“ wurde, ohne die französische Bevölkerung in den Regionen zu konsultieren. Der Gesetzentwurf der ICA sieht die Umwandlung der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass in eine Sonderverwaltungszone vor, die die Befugnisse der Departements und Regionen vereint und somit unabhängig von der aktuellen Grand Est-Region existieren kann. Bevor das Gesetz endgültig verabschiedet werden kann, bedarf es einer Prüfung und eines Votums der zweiten Parlamentskammer, des Senats. Eine wichtige Änderung sieht vor, dass die Schaffung dieser neuen Gebietsinheit einer Volksabstimmung im Elsass unterliegen wird. Bei einem „Ja“ wird das Elsass, bestehend aus den beiden Départements Niederrhein (Straßburg) und Hochrhein (Mülhausen), im Jahr 2028, zum Zeitpunkt der nächsten Regionalwahlen, zu einer autonomen Region im Gefüge eines künftigen Bundesfrankreich.
Diese Idee der elsässischen Autonomie hat eine hohe symbolische Bedeutung, obwohl sie auf Widerstand seitens des Präsidenten der Region Grand Est, Franck Leroy, stößt, der ihre Verfassungsmäßigkeit bezweifelt. Die Gegner werfen dem Elsass Separatismus vor, ähnlich demjenigen einiger Korsen, Bretonen und anderer Gruppen. Die Elsässer der ICA (Initiative citoyenne alsacienne) sind jedoch keine separatistischen Autonomiebefürworter. Sie fordern lediglich eine dezentralisierte Region innerhalb eines Bundestaats Frankreichs, ähnlich den meisten europäischen
Staaten, die sich als föderal verstehen, darunter Frankreichs wichtigster Partner und Nachbar des Elsass, die Bundesrepublik Deutschland.
Ihr Leitprinzip ist nicht Autonomie, sondern Subsidiarität, wie sie von der katholischen Soziallehre definiert und von der Paneuropäischen Union in Wien übernommen wurde. Die Idee ist, dass lokale und regionale Angelegenheiten von den direkt Betroffenen selbst geregelt werden sollen.
Das elsässische Projekt würde uns vom Hyperzentralismus Frankreichs wegführen, der auf die Zeit der absoluten Monarchie vor 1789 zurückgeht. Weit davon entfernt, durch die Revolution abgeschafft worden zu sein, wurde er von ihr noch verstärkt, als die jakobinische Partei des „Guillotiners“ Robespierre die Oberhand über die Regionalliberalen Girondisten gewann, die aus der Region Bordeaux gewählt worden waren und 1782/83 von den Jakobinern gemetzelt wurden.
Um die Regionen nach jakobinischer Manier, zu schwächen und zu verhindern, dass sie zu prosperierenden Gebilden nach dem Vorbild der alten Provinzen wurden, griff der sozialistische Staatspräsident Hollande zu dem Trick, regionale Einheiten zu zerschlagen und Gebiete zusammenzulegen, die nichts gemeinsam hatten. So wurde das Elsass in zwei Teile gespalten und landete schließlich in eine Champagne-Ardenne und Lothringen-Elsass Region. „Diese Teilung, die uns mit der Region Grand Est verband, war ein schwerer Fehler und eine finanzielle Verschwendung, die uns den Menschen in der Picardie und in Reims kein Stück näher brachte, die sich kulturell, sprachlich und wirtschaftlich stark vom Elsass unterscheiden“, bemerkt unser elsässisches Mitglied Jean-Luc Clochard.
Ein weiteres Opfer dieser Taktik ist die Region Okzitanien, die die Viehzüchter des Zentralmassivs mit den Winzern des Languedoc-Roussillon und der Midi-Pyrénées vereint, obwohl die okzitanische Region Lozère wirtschaftlich und kulturell eng mit der Auvergne verbunden ist, die im selben Mittelgebirge liegt. Die Auvergne wurde jedoch mit der Rhône-Alpes-Region, die sich bis an die Schweiz erstreckt, verschmolzen – zwei völlig unterschiedliche Regionen. Man ging noch weiter, indem man das wohlhabende Elsass mit Straßburg als Zentrum mit zwei armen Regionen des Grand Est zusammenlegte, um deren Defizite auszugleichen. Ein weiteres Beispiel derselben Art: Vor etwa fünfzehn Jahren entfernte die gaullistische Ministerin Michèle Alliot-Marie alle geografischen Angaben von den französischen Automobilkennzeichen, um den Strassenverkehr in dem für das administrative Frankreich typischen abstrakten, einheitlichen bürokratischen Zentralismus zu verschmelzen. Angeblich, um Frankreich „an Europa anzugleichen“, meinte sie, obwohl Europa regionale Bezüge auf den Kennzeichen respektiert.
Fügen wir hinzu: François Hollande versuchte, die alten Provinzen auszulöschen – kulturell vielfältig und sichtbar waren sie, aber von der Linken als konservativ, reaktionär oder gar als monarchistisch betrachtet. Dabei wären gerade diese Provinzen, ähnlich wie die deutschen Länder, die Schweizer Kantone und andere, wettbewerbsfähig und wohlhabend gewesen. Doch für einen trägen, linken republikanischen König wie der französische Präsiodent gelten Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit als „reaktionär“, ja sogar „faschistisch“. Zudem wären unsere Provinzen, tief in ihren Traditionen verwurzelt, dadurch kulturell homogen, und deshalb schwer politisch zu unterwandern gewesen.
Der Kampf um einen vielfältigen und dezentralisierten Bundesstaat Frankreich, nach dem Vorbild eines Staatenbundes EU, geht weiter. (JPP. „Es ist Europa. Paneuropäische Konferenz von Straßburg.“ 13.04.2026)
