Jagd nach dem Phantomschiff

Donald Trump ließ am 7. Januar bewaffnete Uniformierte seiner Küstenwacht auf einen theoretisch russischen Tanker im Nordatlantik 120 km südlich von Island einsteigen, obwohl das Fahrzeug sich selbst „russifiziert“ hatte, um ihm zu entgehen. Das Schiff war mit dem Namen „Bella One“ unter lateinamerikanischer Flagge vom Iran gestartet, hatte vor der amerikanischen Blockade in der Karibik eine Kehrtwende gemacht und Kurs auf Norden und Russland genommen. Es hatte auf dieser letzten Strecke die russischen Nationalfarben auf seinem Rumpf  gemalt und die russische Flagge gehisst, wurde jedoch von der US-Küstenwache kurz vor Ende der Reise gekapert.

Zum ersten Mal seit 1962 standen sich zwei Nuklear-Großmächte frontal gegenüber. Zum ersten Mal haben wir im Westen ein Staatsoberhaupt, das die Konfrontation nicht scheut. Sicherlich lauerten russische Atom-U-Boote in dieser Region. Die Doktrin der Russen ist, dass russische Schiffe als russisches Territorium gelten. Während und nach dieser Operation haben Trump und vor allem sein Sprachrohr, der Staatssekretär für Krieg (wie er sich neuerdings nennt) Pete Hegseth die Russen in Worten und Taten verspottet. Die Russen haben nur sehr vorsichtig reagiert. Dabei kam noch heraus, dass der betroffene Tanker wahrhaftig unter falscher Flagge fuhr, da es der iranischen islamistischen Garde Pasdaran gehörte.

Es lief auch das Gerücht, dass das Schiff nicht nur Öl aus dem Iran transportierte, sondern auch Waffen für den venezolanischen Diktator Maduro brachte, der enge zumindest kommerzielle Beziehungen zu China und Russland unterhielt. Hatte die Moskau-Teheran-Beijing-Triade gehofft, dass dort ein neuer Vietnam-Krieg für die Amerikaner entstehen könnte? Trump war schneller und hat die „Donroe“-Doktrin (Donald-Monroe) verkündet und von Tatsachen folgen lassen: Amerika gehört Washington und nicht Russland, nicht China. Er nannte in einer seiner Drohung auch Kuba.

Das erinnert in der Tat an die Kubakrise von 1962, als Chruschtschow vor John Kennedy einen Rückzieher machen musste. Der damalige Kreml-Chef wurde dann von seinem Amt als UdSSR-Oberboss entlassen. Wird Putin ähnliches erleben? Die politische Lage in Russland ist zwar etwas anders als damals. Nicht mehr die kommunistische Partei KPdSU, sondern der Geheimdienst FSB regiert in Moskau. Immerhin hat Trump wohl erkannt, dass in seiner Beziehung mit Russland und China im Moment ein Zeitfenster vorübergehend offen ist, wo er die Trümpfe in der Hand hat. Er ist selbst alt und weiß, dass die Geschichte nicht zweimal den Schmaus reicht.

Er hat Putin großzügige Angebote in Sachen Ukraine und Europa gemacht, die nicht erwidert wurden. Es ist nicht sein Stil, sich an der Nase führen zu lassen. Wir haben in unserem Magazin Trump oft kritisiert. Immerhin sammelt er Punkte und tut auch jetzt einiges im Interesse der Freien Welt, wie keiner vor ihm es gewagt hatte.  („C’l’Europe“. 9.08.2026. Vgl. auch unseren Artikel „Findet der atomare Weltkrieg statt“ in der Kategorie „Verteidigung“)