Ein Berliner Politiker mit Profil

Ein Politiker  gewinnt an Profil in Deutschland, ist aber in Europa noch zu wenig bekannt. Er heißt  Stefan Evers, ist Senator für Finanzen, für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Stadtlandes Berlin, hat auch eine prominente Funktion in der Landes-CDU. Er ist der neue Bewerber der Berliner CDU um das Amt des Berliner Regierenden Bürgermeisters.

Die „Welt am Sonntag“ (v. 23.08.26, S. 6) stellte ihn neulich in den Vordergrund :  Er ist „grösser (190 cm), lustiger und substantieller als erwartet“, schrieb die Zeitung. (…) „Der 46-jährige Spitzenkandidat der CDU für Berlin,  kurzfristig  als Verlegenheitslösung für den epochal gescheiterten Kai Wegner  aus dem Hut gezaubert, wirkt trotz des Wilden Wahlkampfes entspannt und konzentriert“. Erst im Juli 2026 hatte der amtierende Bürgermeister Kai Wegner bekannt gegeben, nicht erneut als Spitzenkandidat der CDU anzutreten. Evers sprang ein.

Er wuchs in Paderborn, kam 1999 nach Berlin, hat Jura an der Universität Potsdam studiert und die erste Rechtsprüfung bestanden. Aber damals, 2011, arbeitete er schon im Bundestag.

Ganz nebenbei bemerkt ist er homosexuell mit einem unbekannten Mann verheiratet, trennt aber sein Privatleben ganz strikt von der Politik, den Verfechtern der LGBT-Bewegung faktisch entgegengesetzt, die Ihre Sexualausrichtung mit viel Tamtam plakatieren und daraus ein Politikum machen. Damit achtet er ein lobenswertes Prinzip unserer demokratischen Gesellschaft, die den Schutz der Privatsphäre sichert – anders als in totalitären Staaten. Es gibt tatsächlich ausgedehnte Bereiche und Momente, die unpolitisch sind und bleiben sollen. Das sichert die Demokratie.

Eine neue Wählerschaft am 20. September

Evers hat nur noch drei Wochen um die Berliner zu überzeugen, dass er „the right man in the right place“ in ihrer Stadt sein kann. Die nächste Gemeindewahl in Berlin steht vor der Tür, sie findet in drei Wochen am 20. September 2026 statt. Dabei ist er nicht einer, der Klamauk macht. Er ist „leise, genau, konzentriert, differenziert und ernst“, wird ihm zugesprochen. Er ist dezent bekleidet, sieht relativ jugendlich aus und artikuliert deutlich mit klarer männlicher Stimme. Genau da braucht eine vielfältige Weltstadt wie Berlin mit sehr unterschiedlichen Erlebnisgenerationen.

Das neueste in diesem Jahr ist, dass erstmals bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin  Jugendliche ab 16 Jahren abstimmen werden. Der amtierende regierende Bürgermeister entsteht aus der Mehrheit im Abgeordneten Haus. 

Es ist ein Wagnis, denn damit werden Staatsbürger einen Zettel in die Urne werfen, die wenig Ahnung von der bewegten, manchmal tragischen Geschichte und anschließenden Neugeburt der seit 1961 durch eine Mauer und todbringenden Waffen geteilten und seit 1990 wiedervereinigen Stadt haben.

Evers hat den Vorteil, nicht der altgediente Generation zu gehören und mit seinen 46 Jahren nicht mehr ganz jung zu sein. 1979 geboren, hat er das geteilte Berlin nicht erlebt, die Zeit ohne Smartphone kannte er allerdings noch. Der große Unterschied zum Berlin vor und kurz nach der Maueröffnung zum Berlin heute besteht darin, dass die Berliner damals solidarischer waren. Berlin West war ein großes Dorf. Heute lebt in Berlin jeder mehr oder weniger für sich allein. Die jungen Menschen sind heute sehr „Ich-bezogen“, höchstens „Gruppe-bezogen“.

Sie haben schon in der Schule und vom Hörensagen erfahren, dass alle, die rechts von der CDU stehen, „Faschisten“ sind, was falsch ist, wissen aber nicht,  dass links von der SPD die Partei „die Linke“ der direkte Abkömmling der stalinistischen, diktatorischen SED aus dem Jahr 1946 ist, die es geschafft hat, 1989 als Gespenst  zu überleben.

Im Kalten Krieg war die Bevölkerung von Berlin  veraltet. Allerdings zogen viele junge Männer nach Berlin, um sich der Wehrpflicht in Westdeutschland zu entziehen. Sie waren politisch pazifistisch, rebellisch und verstärkten das typische Linksaußenspektrum der Stadt.

Die Berlin-Attraktivität für die jungen Generationen hat nicht nach gelassen. Wird die Herabsetzung der Wahlaltersgrenze  die Wahlbeteiligung erhöhen ? Es ist nicht sicher dass die „Z“-Generation über sich selbst hinaus schauen und die Landesgemeinschaft bei dieser Wahl wahrnehmen kann.

Ein dezidierte, klare Positionierung

Evers hat in  seinem Interview mit der „WAMS“, das wir als Lektüre empfehlen, ganz klar gegen die AfD Stellung bezogen. Aber auch gegen die Linke, die viele unreife junge Menschen versucht sind zu unterstützen, um den Eltern und Großeltern zu trotzen. Der CDU-Kandidat warnt davor.  „Es ist schon erschreckend, wohin sich  beispielsweise die Linkspartei  entwickelt  hat, stellt er fest: Antisemitismus, Massenenteignung, offene Polizeifeindlichkeit. Das ist gefährlich“. Der AfD gegenüber ist er nicht weniger radikal: „Mit mir wird es eine Zusammenarbeit mit der AfD noch mit der Linkspartei geben. Eine stabile Koalition mit eigener Mehrheit ist für Berlin unverzichtbar“. Die einigen Führungsfiguren der AfD eigene NS-Nostalgie hat insb. die rechtskonservative französische RN davon abgehalten, mit ihr im Europaparlament zusammen zu arbeiten. (Jean-Paul Picaper. C’l’Europe. 28.08.2026)

Insgesamt treten 17 Parteien zur Wahl in Berlin  an.

Die politische Lage vor der Berlin-Wahl gilt als sehr dynamisch. In den aktuellen Umfragen Ende August zeichnete sich ein enges Rennen zwischen den führenden Parteien ab. Trotz der starken Dezentralisierung der föderalen deutschen Bundespolitik hat sich die ehemalige Frontstadt Berlin im ehemals geteilten Deutschenland sowie ehemalige  und aktuelle deutsche Hauptstadt als Sitz vom Bundestag und Bundesrat und vieler  sozialer und ökomischer Aktivitäten zum politischen Leuchtturm für Deutschland und sogar für Europa durchgesetzt. Da Berlin ein Stadtstaat, mit einem anderen Wort ein Bundesland wie Bayern oder Rheinland-Pfalz ist, werden am selben Tag sowohl das Landesparlament (Abgeordnetenhaus) als auch die kommunalen Vertretungen der zwölf Bezirke (Bezirksverordnetenversammlungen, kurz BVV) gewählt. Auch deswegen ist Berlin ein Wegweiser für Deutschland.

Die drei Stimmen auf dem Stimmzettel

Wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger vergeben am Wahltag insgesamt drei Stimmen: Die Erststimme: Für den Direktkandidaten oder die Direktkandidatin im eigenen Wahlkreis. Die Zweitstimme: Für die Landes- oder Bezirksliste einer Partei (entscheidet über die Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus). Die Dritte Stimme: Für die Liste einer Partei oder Wählergemeinschaft bei der Wahl zur Bezirksverordneten Versammlung. Nicht einfach. Aber die Erstwähler mit 16 oder 17 Jahre, von allen dreien allerdings der wichtigsten. werden nur bei der Zweitstimme wählen. Informationen können sie sich bei der Bundeszentrale für Politische Bildung holen.

Besonderheiten bei der Kommunalwahl (BVV)

Wahlrecht für EU-Bürger: Im Gegensatz zur Abgeordnetenhauswahl dürfen bei der BVV-Wahl auch in Berlin lebende Staatsbürgerinnen und Staatsbürger anderer EU-Länder wählen.Hürde: Für den Einzug in eine Bezirksverordnetenversammlung gilt eine 3%-Hürde (statt der sonst üblichen 5%-Hürde auf Landesebene).