Deutschfeindlichkeit ist eine alte, vergiftete französische Pflanze, genährt von jenen, die es nicht ertragen können, dass sich unser Land nach fünf Jahrhunderten Konflikt mit Deutschland versöhnt hat. Noch schwerer fällt es ihnen zu akzeptieren, dass das deutsch-französische Bündnis die Voraussetzung für ein vereintes Europa war. Doch, seit der Gründung dieser Allianz vor 75 Jahren gab es keinen Krieg zwischen europäischen Ländern. Diese Menschen tun so, als sähen sie diesen beinahe wundersamen Fortschritt im historischen Maßstab nicht.
Darüber hinaus macht uns die Europäische Union, die auf dem deutsch-französischen Fundament ruht, zu einem wichtigen politischen Akteur auf einem Planeten, der von Supermächten wie den USA, Indien, China, Russland, Brasilien, Nigeria und Indonesien zersplittert ist. Frankreich, Großbritannien und selbst Deutschland wirken im Vergleich zu diesen Schwergewichten wie Leichtgewichte, doch zusammen mit den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union – 28 einschließlich der Ukraine, 29 einschließlich der Moldau und 30 einschließlich Georgien (Beitrittskandidaten) – repräsentieren sie über eine halbe Milliarde Einwohner. Sie bilden ein grosses Territorium, einen großen Markt, eine moderne Wirtschaft und eine jahrhundertealte Kultur. Frankreich, Deutschland und unser Verbündeter Großbritannien dominieren Russland maßgeblich.
Zu diesem deutsch-französischen Bündnis, das am 9. Mai 1950 in der berühmten „Erklärung“ des französischen Außenministers Robert Schuman mit der Unterstützung des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer zum Ausdruck kam, gesellte sich 1991, nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Diktatur in Osteuropa, das „Weimarer Dreieck“ hinzu. Es handelt sich um ein deutsch-französisch-polnisches Bündnis, das vom deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und seinen beiden Amtskollegen, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski, gegründet wurde, „um eine gemeinsame Vision für Europa zu entwickeln und die Gesellschaften der drei Länder einander anzunähern“.
Wie es die Gründerväter Europas wünschten, sind weitere europäische Länder beigetreten. Es ist leicht zu verstehen, warum unser Abkommen dem Kriegstreiber missfällt, der seit Beginn des 21. Jahrhunderts im Kreml die Macht an sich gerissen hat, und warum ihn die gemeinsame Verteidigung Frankreichs, Deutschlands, Polens und Großbritanniens, Plus Ukraine, gegen seinen Eroberungskrieg so erzürnt. Er hasst nichts mehr als die „Koalition der Willigen“, die von Frankreich, Deutschland, Polen und der Ukraine unter der Schirmherrschaft der EU gegründet wurde. Die baltischen Staaten sind inzwischen beigetreten, und in jüngerer Zeit auch Finnland und Schweden. Nur Ungarn und die Slowakei halten sich noch immer fern. Sie schließen sich Nordkorea und Belarus im Lager der Schurkenstaaten an.
Putin führt seinen Vernichtungskrieg in der Ukraine Tag für Tag,Nacht für Nacht fort. Die meisten europäischen Länder, von den skandinavischen und baltischen Staaten bis hin zu den Mittelmeerhalbinseln und -inseln, weigern sich, sich der russischen Autokratie zu unterwerfen. Polen war uns voraus, als es darum ging, aufzurüsten und sich zu verteidigen. Der derzeitige amerikanische Präsident mag uns nicht, aber amerikanische Militärs und Politiker sowie ferne Länder wie Israel, Marokko, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada, Indien und Indonesien sympathisieren mit uns. ArabischenLänder, Ägypten und Golfstaaten auchq;
Unser Feind, Wladimir Putin, glaubt, „sein Russland“ könne Europa erobern, weil noch nie ein europäisches Land Russland besiegt habe. Sicherlich gelang dies weder Napoleon noch Hitler. Doch das ist Geschichte. Dies war vor der Festigung des deutsch-französischen Bündnisses. Wenn er versucht, Zwietracht unter den Europäern und insbesondere zwischen Deutschen und Franzosen zu säen, stößt er auf eine unüberwindliche Mauer. Die deutsch-französische Partnerschaft bildet heute ein unerschütterliches Bollwerk.
Dennoch versucht die Putin-russische Propagandamaschine, uns zu spalten. Den Ton gab kürzlich ein Artikel von Putins Einflussagentin Xenia Fedorowa in der französischen Wochenzeitung „Journal du Dimanche“. Sie wird vom russischen und ukrainischen Widerstand scharf kritisiert und war früher Direktorin des Kreml-Propagandasenders „Russia Today“ (RT). Dieser Sender ist in Europa verboten, seit Putin ohne Kriegserklärung einen Cyberkrieg gegen uns führt. Fedorowa griff das deutsche Aufrüstungsprojekt in der Annahmean, sie könne dadurch die Franzosen gegen ihre Nachbarn jenseits des Rheins aufhetzen. Sie sieht die Welt mit der spätsowjetischen Brille mit einem bisschen orthodoxen Weihwassers drüber, um es attraktiver zu machen. Sollte es zur Freiheit zu lügen und die Realität zu verdrehen nicht Grenzen geben ? Diese Person griff das deutsche Aufrüstungsprojekt an, weil sie glaubte, damit die Franzosen gegen ihre Nachbarn jenseits des Rheins aufhetzen zu können. Das ist doch Schnee von gestern! Bereits 1962 vereinbarte General de Gaulle mit Bundeskanzler Adenauer, dass wir Franzosen und Deutsche Europa gemeinsam verteidigen würden.
Die Putinsche Offensive gegen das deutsch-französische Bündnis wurde leider im „Journal du Dimanche“ und seinem Hochglanz-Pendant „JD News“ durch einen deutschkritischen Artikel der französischen Starjournalistin Sonia Mabrouk neu entfacht, ganz zu schweigen von Philippe de Villiers, Dupont-Aignan und anderen notorischen Germanophoben. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich dieses Gift ausbreitet. Neben Putins Krieg in der Ukraine bringt uns ein neues Element näher zusammen: Deutschland hat erkannt, dass es nicht länger von Amerika vor dem russischen Imperialismus geschützt wird und dass die Europäer nur auf sich selbst zählen können, um ihr Überleben zu sichern.
Unsere Führungskräfte sind sich der Gefahr bewusst. Als Polnischer Ministerpräsident seit 2023 war Donald Tusk Präsident des Europäischen Rates in Brüssel von 2024 bis 2019. Bis Oktober letzten Jahres leitete der polnische General Piotr Tadeusz das Eurokorps in Straßburg. Bundeskanzler Friedrich Merz ist eine starke Persönlichkeit und ein exzellenter Jurist, wenngleich er in der Außenpolitik noch relativ unerfahren ist. Nachdem er von Angela Merkel ins Abseits gedrängt worden war, suchte er sein Glück im Ausland. Er kehrte mit viel Erfahrung und Weisheit zurück, um Deutschland wieder auf Kurs zu bringen. Anders als sein sozialdemokratischer Vorgänger ist er energisch und pragmatisch.
Der scheidende französische Präsident, innenpolitisch stark geschwächt, strebt eine internationale Zukunft für die Zeit von „Macron nach Macron“ an. Dank seiner einzigartigen internationalen Erfahrung, bes. in Sachen Ukraine und Russland, könnte er mit der Unterstützung von Friedrich Merz die Nachfolge von Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsident (oder auch als EU-Ratspräsiçdent) antreten. Seine Auflösung des französischen Parlaments vor anderthalb Jahren war der Fehler des Jahrhunderts und seine Anerkennung des Phantomstaats Palästina spricht nicht für ihn. Doch er hat sich von der Innenpolitik der Geopolitik zugewandt. Und genau dort soll er handeln. Berlin wird den impulsiven Franzosen notfalls bremsen.
Macron setzt auf Frankreichs nukleare Abschreckung, auf die Glaubwürdigkeit der französischen Armee, die weniger „NATO-orientiert“ war als die deutsche Bundeswehr, und auf die guten Beziehungen zu Großbritannien. Seine größten Erfolge waren die Wiederbelebung des „Weimarer Dreiecks“ und anschließend seiner „Koalition der Willigen“. Frankreich und Deutschland ergänzen sich somit gut und bleiben für unsere europäischen und außereuropäischen Verbündeten überzeugend. Die deutsch-französische Partnerschaft steht nicht vor dem Aus. Wir sind ein altes Ehepaar, das viele Stürme überstanden und sich im Namen seiner gemeinsamen vitalen Interessen immer wieder versöhnt hat. (Jean-Paul Picaper, 30.12.2025)
